Montag, 10. Mai 2010
Efterklang: Nachhaltiger Nachhall
Ein Konzert im Theater? Ob das funktioniert? Hält das die Band aus, hält es die Zuschauer auf den Sitzen? Efterklang aus Dänemark haben dies locker gemeistert: Einen gewaltigen „Efterklang“ (zu Deutsch: Nachhall) hat das Freiburger Konzert der gleichnamigen dänischen Band ausgelöst. Beim Zuschauer irgendwo zwischen wohliger Wonne und fast sakraler, innerer Ergriffenheit angesiedelt.


Efterklang2

Dabei deutet zu Beginn erst einmal nichts darauf hin: eine kleine Frau im kleinen Schwarzen, zwei Schnurrbartträger und zwei Vollbärte – und der Elektromann ohne auffällige Gesichtsbehaarung – außer dass der orchestrale Kammerpop der dänischen Ausnahme-Combo an sich im Theater perfekt aufgehoben ist. Auf der Bühne im Kleinen Haus thront hinten DJ-gleich Mads Brauer mit seiner Elektro-Schaltzentrale, neben ihm Gitarrist Frederik Teige, rechts Thomas Husmer an Drums und Trompete, links Heather Woods Broderick an E-Piano und Querflöte, vorne Bassist Rasmus Stolberg und Sänger Casper Clausen, der auch vor einem Minidrumset steht.

Hinten hängt in fünf Stoffbahnen das großartige Artwork ihres aktuellen Albums Magic Chairs. Insgesamt ein Setting wie auf einem klug arrangierten Gemälde.


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Efterklang stellen dabei nicht alles auf den Kopf, beginnen aber mit dem vorletzten Albumtrack „Mirror, Mirror” mit seinem klagenden Einstieg, der sich dann zu einem triumphierenden, hin- und mitreißenden Finale steigert. Harmonischer Gesang, bei vielen ihrer Songs fast schon ein eigenes Instrument, vielschichtiger Sound, häufige Instrumentenwechsel, viel Perkussives – das macht die Musik der Band aus. Eigen, aber artig. Der dürre Schlaks Casper Clausen, in Hochwasserhosen, lindgrünem T-Shirt und förstergrüner Strickjacke gewandet, bedankt sich bei den Zuschauern höflich fürs Kommen.


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Auch wenn mancher Trommelrhythmus und auch die Streicherarrangements vom Band kommen (der fantastische Peter Broderick ist diesmal nicht an Bord), geht von der Combo ein schräger Zauber aus. Auch wenn es das Publikum erst beim letzten Song von den Sitzen reißt, ist das Staunen im Saal greifbar. Offene Münder betrachten fasziniert das Bühnengeschehen. „Alike“, „Harmonics“, „Full Moon“ – wie an einer frisch aufgezogenen Perlenschnur reiht sich eine Songperle vom neuen Album an die andere.

Die sechs Nordlichter irrlichtern traumwandlerisch durch einen Kosmos aus melodischem, filigranem, leichtfüßigem und doch komplexem und abwechslungsreichem Indiepop, heiter-sakralen Elementen à la Arcade Fire, hingebungsvollen Chören und einem Bündel an Finessen. Das Spektakel entfaltet einen hypnotischen Sog, befeuert vom sympathischen Hohepriester Casper Clausen, der wie ein zu lang geratenes Rumpelstilzchen beschwörerisch um sein Drumset tänzelt, assistiert von seinen skandinavischen Schamanen.


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Alle Blicke sind auf ihn, auf sie gerichtet. „Hier im Theater zu spielen erinnert mich an die Situation als Schüler an der Tafel“, gesteht denn auch der Frontmann. Diese ungewohnte Konzertsituation meistert die Band leichtfüßig. Kein akustischer Zuckerguss trieft aus den Boxen. Die größte Konzentration an Süßem fliegt anschließend durch den Saal: Schokotäfelchen, die die Dänen bei ihrem einzigen Schweizer Konzert auf der Tour ergattert haben.

Zuvor hat Bandmitglied Frederik Teige in Singer/Songwriter-Manier mit Gitarre das Publikum fast im Alleingang aufgewärmt. Kaum ist der erste Song gespielt, kramt Frederik in seinen Taschen und fördert einen kleinen Zettel zutage. „Es ist irgendwie lächerlich: Ich spiele ein wirklich kurzes Set, aber ich kann mich schon nicht mehr dran erinnern“, murmelt er entschuldigend. So verträumt er hier scheint, so träumerisch gibt sich seine ruhige, melodische Musik.

Daher das Gesamtprädikat: traumhafter Abend. Das Nachbeben dürfte im oberen Bereich auf der Richterskala verortet werden.

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Sonntag, 9. Mai 2010
Landtagswahl NRW, 1. Hochrechnung
Yes!

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Freitag, 7. Mai 2010
Freiburg: Efterklang im Theater
Indiepop? Folktronica? Post-Rock? Orchestraler Pop? Mathematik? Wie man sie auch nennen mag, die Musik des dänischen Quartetts Efterklang ist mit viel Liebe zum Detail und regelrechter Hingabe selbstgemacht. Und das von vorn bis hinten. Dabei bedienen sich die vier sowohl akustischer als auch elektronischer Instrumente.

Anfang des Jahrtausends hat sich die Band formiert und mittlerweile drei Studioalben veröffentlicht, meist von Kritikern bejubelt. Ihr jüngster Streich hört auf den Namen Magic Chairs und bietet melodische, zarte Popsongs, verträumt, märchenhaft, entrückt. Gut, dass die Jungs gerade noch rechtzeitig vor der Kitschgrenze die Handbremse ziehen. Keine Angst, so dick und orchestral Efterklang manchmal auftragen, gießen sie einem nicht gezuckerte Standard-Grütze ins Ohr.

Ihr neues Album haben sie im Gegensatz zu den beiden Vorgängern, wo sie ausufernd viele Gastmusiker an Bord hatten, live als Band eingespielt. Einer der schönsten Songs dieses beim britischen Label 4AD erschienenen Albums ist „I Was Playing Drums“. Auf der Bühne werden die vier von Peter Broderick, Heather Woods Broderick, Niklas Antonson und Frederik Teige unterstützt. Seht und hört selbst!

YouTube: Efterklang – I Was Playing Drums


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Was: Efterklang, Support: Frederik Teige
Wann: Freitag, 7. Mai 2010, 20 Uhr
Wo: Theater Freiburg, Kleines Haus
Tickets 16 Euro

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Donnerstag, 6. Mai 2010
Joanna Newsom bei Jools Holland

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Freitag, 30. April 2010
Felix Austria
Unterwegs in Österreich, diese Woche.

Schlosshotel Bludenz 1


Schlosshotel Bludenz 2

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Montag, 26. April 2010
Museum für Kommunikation, Frankfurt, 25.04.2010, 12.45 Uhr
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Museum für Kommunikation Frankfurt 1

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Museum für Kommunikation Frankfurt2


Aber ihr wisst ja...:

Frankfurt The City Loves You

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Freitag, 23. April 2010
Rockin' Rudy zur Planung für die weltgrößte Messe
1
Rockin' sagt:

„Du kannst Montag hingehen und am Samstag besoffen nach Hause.“

2
Die Kollegin hingegen betreibt Anrufervorsortierung durch gezieltes Nachfragen - mal mehr, mal minder erfolgreich:

„Geht’s um ’nen Bericht oder um ’ne Anzeige? Ah, es geht um bauma. Verstehe...“

Und ich habe es geschafft! Für mich ist die Messe rum! Yippie!

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Freitag, 16. April 2010
Die Zeul keult im White Rabbit
Nicht Jay-Z, sondern J.Z. im Hasenstall: Der stand weit offen, und sensationell erstaunlich war, dass arte p. vorab die Kontaktkeule schwang und elektronisch ausrief:Gehst Du zufällig morgen ins weisse Kaninchen zu Johanna Zeul? Habe gerade aus Berlin den dringenden Tipp bekommen, da hinzugehen und kann mich alleine nur schwer aufraffen :).

JZ

Eines der großen Themen unseres Lebensabschnitts ist das Aufraffen, in der Regel kombiniert mit "sich". [Selbstbeweihräucherung EIN] mysterox versteht es in der Regel - nicht nur unter Tage, wie beim White Rabbit - ganz gut, eben dieses zu tun. [Selbstbeweihräucherung AUS] arte p. hingegen artet weniger (oft) aus, lebt als digitale Bohémienne irgendwo in der Pixelwelt zwischen eigener Firma und always online. Umso überraschender ihr eigener Weckruf, der bis zu mir herüber tönte und mich mit (wach & durch)rüttelte, bis wir uns auf einmal in der REAL WORLD die Hasenpfote vor der Hasenpforte gaben.

Drinnen? Tut sich nix. Erst nach einer Stunde keult Johanna Zeul los. Rein ins Labyrinth.



Intelligentes Liedermaching, saucool, selbstbewusst und souverän durchgezogen. Icks (sinngemäß): Mal 'ne Frau mit Gitarre, die nicht gleich doof aussieht. Singendes Energiebündel ist fast zu harmlos, um Johanna Zeul zu charakterisieren. Eher eine Gitarrista kurz vor der Explosion, immer wieder am Hüpfen, Springen, Flüstern, Kreischen, Lachen, Toben, Poltern. Ihre Bühnenpräsenz kann man einfach nur überwältigend nennen, in etwa vergleichbar mit der Naturgewalt des in den Nachrichten quasi namenlosen Vulkans - Eyjafjallajökull, lasst euch das mal auf der Zunge zergehen - da den ja eh keine Sau aussprechen kann. mysterox sagt im Verband mit Mister Ix: Duktus & Diktion nicht fern von Holofernes, mal nah an Nena.

Irgendwann / Pack ich dich einfach / Bei der Hand / Und dann / Bist du / Für immer mein Mann!

So einfach geht das. Direkte Kundenansprache! Mindestens in jedem zweiten Lied - so intelligent & treffsicher die Texte auch sind - spiele ich (du, er, sie, es, alle, jeder) die Hauptrolle, da es immer um ein DU geht. Selbst bei harmlos klingendem Du-Da-Du-Da-Du-Da reckt sich das Fragebein: Wer? Ich? By the way, die Klamotten hätten ein Update verdient.

Mit Gitarre und Stimme geht Frau Zeul traumwandlerisch sicher um. Und steht ihre Frau - wie im kurzen Dialog zum Thema Rückkopplung: Wenn das keine Rückkopplung ist, dann bin ich keine Johanna Zeul.. Wir klären auf: Ist sie aber, ätsch, lieber Mischer...

Kurzum: Das Gisbert-Phänomen. Du gehst einfach mal so hin - und es ist überraschend gut.

JZ2

> > > > > > > > > Nachklapp < < < < < < < < <

Ich hab abgekürzt
Ich bin abgestürzt
Bring mich ins Bett


... um es mit Johanna Zeul zu sagen. Aber der kleine Matteo, der gerade 25 Stunden alt geworden ist, geboren um 10.26 Uhr am 15. April 2010, wollte einfach, dass ich mit ihm, bei dem noch Licht (der Welt) brannte in seiner ersten Nacht, kurz anstoße, leider unter anderem mit der Grappa des Grauens. Jetzt noch eine Chance für Blixa, der den Vorlauf des Abends so souverän vom Band bestritten hatte: Und dann umfängt mich mein Bett in seiner nokturnalen Umlaufbahn. Da war es allerings schon 3 Uhr.

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Donnerstag, 15. April 2010
15 Songs - The Pop Appeal
15 Songs - das ist eine Frage, die mir der frisch auratische icks vor geraumer Zeit mal gestellt hat. Nein, eigentlich war es keine Frage, sondern ein Statement, eine Aussage, die er in den Raum gestellt hat. Das trifft es eher.

Ehern ist daran nichts, schon gar nicht an meiner Zusammenstellung, die sich genauso gut wieder auseinander dividieren ließe. Die Frage, die sich stellt, die ICH oder ICKS stellt oder das sich aufdrängende Fragewörtchen ist: Wie viele? Also wie viel mal 15? Wie viele Listen? Wo viel List', da viel Tücke. Wo viel Tücke, da viel Lücke. Und schieres Glücke. 15 Songs - und eine einzige Ode. An X.


1. Archive: Again
Hier ist die lange Version ein Muss. 15 Minuten. 15: Die Zahl fasst das ganze Projekt schon mal zusammen. Kleine Selbstreferenz. Sehr langsam (Spannung) aufbauende, tolle Rock-Oper.

short version:


long version:



2. Barry Adamson: Something Wicked This Way Comes
Party-Klassiker.




3. David Bowie: Ashes To Ashes
(Das Video lässt sich nicht ins Bett zerren).
Ein Video-Pionier! Ein Visionär. Einer der ganz Großen. Genauso gut könnte man x andere Songs von ihm nehmen, zum Beispiel Space Oddity.


4. Deerhunter: Agoraphobia
Muss man eigentlich in einem durchhören mit dem Opener davor.




5. Get Well Soon: You/Aurora/You/Seaside
Unverschämt gut. Souveräne Mischung.




6. Isaac Hayes, Shaft
Einer der Hammersongs der letzten 50 Jahre. Legendär.



7. Human League: Don't You Want Me
Coole Nummer der New-Romantic-Helden, die mir trotz jahrzehntelanger Einhämmerung immer noch nicht zum Hals heraushängt. Höchst selten, das! Und sowas wie Elektro(mit)pioniere. Zu Recht ein Welthit.




8. Kante: Zombi
Alternativ: Die größte Party der Geschichte: toller Song, toll gemacht - und keiner merkt, dass es dabei um die Apokalypse geht. Aber erst mal Zombi - für heute.




9. Kings Of Convenience: Boat Behind
Smooth, melodisch, harmonisch - wunderschön.




10. Kraftwerk: Das Modell
Noch ein wegbereitender Klassiker aus der Frühzeit der Elektroklänge.




11. Noir Désir: Tostaky
Jetzt wird gerockt, und das ausnahmsweise auf Französisch.




12. Portishead: Glory Box / Sour Times
Hm, was kommt besser? Glory Box oder Sour Times? Egal, ein Epoche machendes Album für die Ewigkeit.




13. Sergio Mendes & Brasil 66: For What It's Worth
Brasil rules!




14. Shigeru Umebayashi: Polonaise
Vom Soundtrack von 2046.




15. Spliff: Déjà Vu
Tja, und jetzt noch ein Frühachtziger-Nichttotzukrieger - mit einem dermaßen gewagten und gelungenen Text, wie ihn heute nur wenige Ausnahmekünstler wie Hans Unstern oder so hinbekommen und tatsächlich herausbringen.

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Mittwoch, 14. April 2010
Hans Unstern: Paris


Große Kunst!

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